online gestellt am 05.02.2018

Angst in der Leipziger Subkultur oder die Macht der Unbekannten

Von Florian Bogel

Wenn man es nicht selbst erlebt, kann man es kaum fassen. Doch tatsächlich macht sich in Leipzigs Subkultur Angst vor nicht näher bekannten Subjekten breit.

Leipzig ConnewitzSo sollte im Stadtteil Connewitz am 03.02.2018 eine Dresdner Punkband zum Konzert in einer bekannten Szenelokalität aufspielen. Aufgrund eines Konzertes, welches nun mehrere Jahre zurücklag, das die Punkband in einer anderen Lokalität, in welcher zu späteren Zeitpunkten auch Nazibands aufgetreten sind, geriet besagte Punkband in eine Kontaktschuld. Der Veranstalter in Leipzig sagte das Konzert kurzfristig ab und ein alternatives Konzert fand in Jena statt.

Wer hier und wie auf den Veranstalter namentlich eingewirkt hat, konnten wir nicht ermitteln. Die Rede ist hier von Personen, welche das Label der Antifa verwenden. Doch vielfach gilt in Leipzig, dass Antifa nicht gleichbedeutend mit Antifaschismus ist.

Antifaschismus ist der Kampf gegen jede Form von Diskriminierung aufgrund von Herkunft, sexueller Orientierung, religiösem Bekenntnis oder sozialer Herkunft. Es wird immer von Antifa-Label-Trägern gesagt: „Punks sind dreckig und stinken, Skins sind Rechts und Hardcore sind Prolls, Ninjas beim Pogo“. Dies ist aus der Leipziger Szene zu hören. Mit einem antifaschistischen und damit menschlichen Anspruch hat dies freilich wenig zu tun. Wer auf die Arbeiterklasse verächtlich herabschaut, kann kaum Antifaschist sein.

Dass es solche Menschen, welche das Label der Antifa verwenden, gibt, ist in der Leipziger Szene, als auch darüber hinaus, ein offenes Geheimnis. Fakt ist also, dass Feinde der Arbeiterklasse das Label der Antifa gekapert haben und da es von Seiten der aufrechten Antifaschisten keinen wirkungsvollen Widerstand dagegen gab, ist dieses Label kaum noch verwendbar ohne sich des Verdachts sich mit benannten Feinden der Arbeiterklasse gemein zu machen, auszusetzen.

In der Folge wurde zunehmend „Links“ wie „Rechts“ als gleichermaßen totalitär in Teilen der Subkultur wahrgenommen und verständlich abgelehnt. Es entstand eine Subkultur, welche sich selbst als „unpolitisch“ bezeichnete. So hat eine lokale Punkband von Antifa-Label-Trägern Prügel deswegen bezogen, weil sie sich in einem Song gegen „Links“ als auch „Rechts“ ausgesprochen hatten. Es gab zwar vereinzelte Proteste innerhalb der Subkultur, jedoch ohne größere Konsequenzen.

Aus Solidarität mit der oben genannten Dresdner Punkband haben die Veranstalter des jährlich in Leipzig stattfindenden Punk- und Oi-Festivals „Voice of Oi“ diese zu einem Auftritt in Leipzig eingeladen. Mit dem Slogan „No Racism, No Fascism, No Sexism, No Antifa“ hatte man seine Ablehnung zu jeder Art von Diskriminierung und Totalitarismus zum Ausdruck bringen wollen. Der Gegendruck der Antifa-Label-Träger ließ nicht lange auf sich warten. Die Veranstalter haben den Slogan daraufhin zurückgezogen. Wer genau hier namentlich als Subjekt den Druck aufbaute, konnte ebenfalls nicht ermittelt werden.

Tatsächlich sind die Vorgänge im Leipziger Süden und darüber hinaus kaum verständlich, allein ist eine diffuse Angst in einer Subkultur, welche einst für Ungehorsam und Widerstand gegen jede Autorität stand, kaum wegzudiskutieren.

Foto: Pere Ubu - Eigenes Werk CC-BY-SA 4.0