Weinendes Mädchen

online gestellt am 16.02.2017

Die Herrschaftsmeinung und ihre Auswirkung

Von Maritta Brückner

Die Herrschaftsmeinung:“Egoismus , Konkurrenz , Faulheit und Gier kennzeichnen die Natur des Menschen.“ Die meisten halten diese Aussage für richtig. „Im Kampf ums Überleben ist das Leben ein ständiger Konkurrenzkampf“ (Ch. Darwin ).

Da der Mensch nach allgemeiner Meinung von Natur aus egoistisch und rücksichtslos, auf sein Vorteil bedacht sei, scheint der Kapitalismus die dem Mensch gemäße Wirtschaftsform zu sein. „Der Kapitalismus nützt dem Egoismus, der Gier, erzielt Konkurrenzkampf und schafft somit Motivation für größtmögliche Leistung und Fortschritt.“

Charles Darwins Evolutionstheorie wird als Beleg genutzt, um die egoistische Natur des Menschen zu beweisen. Egoismus und Konkurrenz als ein natürliches Verhalten, dass der Mensch von Natur aus auf Konkurrenz ausgelegt ist und sogar die Auffassung, dass es ein „Gier-Gen“ gäbe, werden durch aktuelle Studien widerlegt. Es fehlt jeglicher Beweis. Ein solches Gen kann es nicht geben.

Aber in Charles Darwins Werken wird gleichzeitig auf die „liebevollen Beziehungen zwischen den Kreaturen“ hingewiesen und er prägte den Begriff „sozialer Instinkt“ und war der Meinung, dass dies besonders beim Menschen zu einem „angeborenen Sinn für Gerechtigkeit und Moral“ führe. Diese Erkenntnis von Darwin wird verschwiegen.

Die aktuell wissenschaftlichen Forschungen bestätigen Darwins Ahnung und Experimente belegen, dass das menschliche Gehirn auf Empathie geschaltet ist und der Mensch auf Grund seiner biologischen Verfassung ein zutiefst soziales Wesen ist.

Der russische Evolutionsforscher Pjotr Kropatkin beweist, dass ein so hilfloses Wesen, wie der Mensch kooperieren muss, um zu überleben und ein Kampf aller gegen alle ein evolutionärer Selbstmord gewesen wäre.

Die Studien beweisen ebenfalls, dass die Kooperation und nicht die Konkurrenz die effektivste Methode ist, dass Kooperation erfolgreicher als Konkurrenz ist. Das gilt in allen menschlichen Bereichen und es gibt in der Praxis eine unendliche Reihe solcher beeindruckenden Leistungen, die nur in Kooperation möglich waren. Deshalb wirkt das kapitalistische Anreiz - und Belohnungssystem äußerst beschränkt und denkbar primitiv.

Das kapitalistische Menschenbild des Egoismus und Konkurrenz versteht den Menschen als Einzelkämpfer.

Wenn der Mensch tatsächlich von Natur aus kein soziales Wesen wäre und sein Bedürfnis nach Gemeinschaft nicht so elementar in seinem Wesen verankert wäre, so würde er sich vor Einsamkeit und Isolation nicht so sehr fürchten. Das Ausgrenzen bereitet Schmerzgefühle und Einsamkeit kann nicht nur psychisch, sondern auch körperlich krank machen.

Untersuchungen weisen die Bedeutung von Freundschaften für das persönliche Wohlbefinden nach. Freundschaften schützen auch vor psychischen Erkrankungen.

Der Grundbaustein des Kapitalismus, die materielle Entlohnung deformiert ebenfalls die Natur des Menschen und ist folglich ein antagonistischer Widerspruch. Die kapitalistische Wirtschaft braucht egoistische Menschen und nimmersatte Konsumenten.

Die menschliche Gesellschaft benötigt aber einen anständigen Mitbürger, hilfsbereit und zufrieden. Das dem Menschen vorgeschriebene Verhaltensmuster ist somit schizophren.

Hin – und hergerissen zwischen der menschlichen Natur, in der Kooperation, Altruismus und Empathie ihren Platz haben und einer Wirtschaftswelt, welche genau die entgegen gesetzten menschlichen Eigenschaften einfordert.

“Habsucht, Gier und Maßlosigkeit waren zuvor als Laster angesehen und nun werden sie zu wohlstandsfördernden Tugenden erhoben.“ (M. Miegel)

Und Christian Felber (Initiator der Gemeinwohl - Ökonomie ) meint dazu: „Gewinnstreben und Konkurrenz, diese Kernmotivation fördert egoistisches und rücksichtsloses Verhalten, lässt zwischenmenschliche Beziehungen scheitern und gefährdet den seelischen, sozialen und ökologischen Frieden.“

Die Aussage, der Mensch sei von Natur aus egoistisch, gierig und auf Konkurrenz ausgelegt, ist falsch und nicht länger haltbar. Als Konsequenz daraus kann dementsprechend das herrschende auf Konkurrenz basierende Wirtschaftssystem kein Ausdruck menschlicher Wesensart sein und sollte zu „Neuem“ führen.

Dies erfordert ein konsequentes Umdenken .Wir wollen jetzt beginnen.