Bienensterben

online gestellt am 30.10.2017

Ein ökologisches Armageddon

Von Marco Roitzsch

"Insekten machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Wie es scheint, machen wir große Landstriche unbewohnbar für die meisten Formen des Lebens, und befinden uns gegenwärtig auf dem Kurs zu einem ökologischen Armageddon. Bei dem derzeit eingeschlagenen Weg werden unsere Enkel eine hochgradig verarmte Welt erben." – meint Dave Goulson von der Sussex University und verweist auf die Schädlichkeit von Neonikotiniden, einem Insektizid welches das Nervensystem von Insekten zerstört und somit zum Tod führt.


Anfangs bemerkte man dies durch die erhöhte Zahl toter Honigbienen und Ertragsausfall beim Honig. Imker machten dafür die Monokulturen der Landwirtschaft verantwortlich, weil sie davon ausgingen, dass nicht genügend Nahrung vorhanden ist und die Honigbiene sozusagen verhungert.


Doch weit gefehlt. Riesige Feldversuche mit Lebendfallen für Insekten zur Feststellung der Populationshöhe und Artenvielfalt wurden durchgeführt – von Island über ganz Westeuropa. Dabei wurde festgestellt, dass in einigen Gebieten die Anzahl der Insektenpopulationen um bis zu 76 % zurückgegangen ist. Dem Autofahrer unter Ihnen ist es vielleicht auch schon aufgefallen. Während man früher nur durch die ländliche Gegend zu fahren brauchte und die Windschutzscheibe beinahe blickdicht durch mitgenommenen Luftbrummer wurde, findet man heute weniger verendete Tierchen – obwohl die Autos schneller und die Schutzscheiben größer geworden sind.


Jetzt fangen auch Ornithologen an, Alarm zu schlagen. Die Brutpopulationen einheimischer Vögel gehe in den letzten Jahren immer mehr zurück. Eine logische Folge des abnehmenden Nahrungsangebotes. Damit wird es still um unsere Haine und Feldraine. Welche Auswirkungen das auf die Säugetierpopulation der Feldbewohner hat ist noch nicht vollständig erforscht. Doch erste Ergebnisse stellen auch hier den Rückgang von Igel-, Spitzmaus- und Maulwurfpopulationen fest. Ist es bald totenstill auf unseren Feldern und Obstplantagen? Müssen wir anfangen unsere Nahrungsblüher selbst zu bestäuben um unsere Ernährungsgrundlage zu sichern? Oder sind wir das Ende einer Kette, die mit dem Sterben der Insekten begann?


Doch wo liegen die Ursachen? Liegen Sie wirklich nur beim Landwirt, der neben der übermäßigen Düngung zur Ertragsteigerung durch den Einsatz hochwirksamer Insektengifte auch noch die Fraßschädlinge ausschalten will? Ich meine Nein. Vielmehr ist unser Konsumentenverhalten beeinflusst durch eine Wirtschaftsweise des schnellen monetären Profites daran schuld, dass wir unsere Umwelt und letztendlich uns selbst vernichten. Immer mehr, immer billiger und am liebsten ganzjährig im Angebot – und sei es für die Biotonne – führen zu einer intensiven Produktionsweise, die für uns Supermarkt –Jäger und Sammler ein Überangebot an Obst und Gemüse bereitstellt, wo Backwaren aus einem Automaten kommen und 20 verschiedene Müslis und Kornflakesprodukte, neben extra Fit Cerealien und teilweise unnötigen Nahrungsprodukten für die Formschönheiten eines übertriebenen Körperkultes. Während uns die Werbung suggeriert – alles BIO und alles gesund, weiß der Ernährungswissenschaftler und der Biologe, dass das Einzige BIO am Lebensmittel, dass alleinige Wachstum ist.


Der Mensch in seiner maßlosen Sucht nach Konsum, als Ausdruck seines materiellen Wohlstandes, gefüttert durch eine gewissenlose Suggestion sozialer Stati durch die Höhe des Konsums, führt zwangsläufig neben der sozialen Spaltung in Konsumbefähigte und Konsumunbefähigte zum Zwang einer immer intensiveren Landwirtschaft. Dabei zeigt sich, dass einerseits ein immenser kostendruck aufgebaut wird, weil immer mehr Menschen durch ihre soziale Verarmung auf billige Lebensmittel angewiesen sind, während sich ein kleiner immer elitärer werdender Kreis noch die dem Menschen angemessene Nahrungsgrundlage erhalten kann. Dazu kommen Spekulantentum um agrarische Nutzflächen, denn was zählt ist nicht etwa das soziale Gewissen oder der unmittelbare Mitmensch – nein es ist die Gier nach Geld und einer möglichst hohen Rendite bei Besitz an Boden und dessen Ertrag.


Diese wiederum führen zum Einsatz von Düngemitteln und Giften gegen sogenannte Unkräuter und Insekten. Dann sterben die Bienen, die Grashüpfer, die Fliegen und Mücken und all die Käferchen, als nächstes die Vögel, dann die Kleinsäuger des Feldes, dann die Großsäuger und mit dem gesamten Ökosystem am Ende auch der Mensch! Und als Ergebnis bleibt die Erkenntnis eines Häuptlings der Cree: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“