Titelbild der Verteilaktionen im Dezember 2016

online gestellt am 11.12.2016

Stachel-Verteilaktionen am 08. und 10.12.2016

Aktion am 10.12.2016

Wie wichtig es ist, dass wir immer wieder auf der Straße stehen, hat sich heute gezeigt. Ein zorniger junger Mann fragt mich: Seid ihr gegen den Oberbürgermeister? Natürlich sind wir in einer Stadt, wo es obdachlose Kinder gibt und der OBM das Geld für einen Katholikentag rauswirft "gegen den Oberbürgermeister".

Wo kommen wir denn sonst hin! Und dieser junge Mann wollte sicher auch nicht hören, dass seine "Kritik verkürzt" ist, es doch nicht um Personen geht, blablabla. Er wollte eins hören: Ja, wir sind auch gegen den Oberbürgermeister! (Einer der Gründe dafür siehe oben.) Sonst wäre das Gespräch an diesem Punkt schon beendet gewesen.

Ich fahre fort und erkläre ihm, was der Stachel ist. So gut es mit wenigen Worten geht. Dann frage ich ihn, was er denn für Probleme mit dem Oberbürgermeister hat. Er wirft ihm vor, er würde die Linken unterstützen. Hmm. Bei einem Stand von Linkspartei oder DKP wäre dann spätestens an diesem Punkt Ende Gelände gewesen. Aber wir hier in der Gruppe wissen doch, was unter der Leipziger Bevölkerung "die Linken" sind. Die antideutschen Neocons um linXXnet und Frau Nagel, die sich nicht nur mit der Polizei kloppen sondern auch schon mal mit der SDAJ u.a. antiimperialistischen Linken. Und die werden natürlich unterstützt, auch vom OBM, weil sie die Fußtruppen für R2G sind und für das kapitalistische System absolut ungefährlich, trotz aller verbalen "Radikalität". Warum soll ich die jetzt verteidigen? Hab ich natürlich nicht getan.

Ein weiteres Problem: Graffiti. Auch da konnte ich ihm sagen, dass ich es besser finden würde, wenn die Stadt feste Plätze zuweisen würde, wo man sich legal als Graffitikünstler betätigen kann.

Die ausländischen Studenten. Oha, ein Rassist? Sicher hätte auch hier ein Gespräch mit Leuten von der Linkspartei oder der DKP ein Ende gehabt. Wir aber sind dazu da genau hinzuhören. Der zornige junge Mann will die nämlich überhaupt nicht rausschmeißen, wie man mit schlechtem Willen seiner Einleitung hätte entnehmen können. Er will einfach dass er seine Nachtruhe hat und nicht die Nächte durchgefeiert wird. Ok, dann ist es natürlich ein berechtigtes Anliegen. Aber hätten andere überhaupt so weit zugehört? Ich bin überzeugt, da wäre schon lange die Nazikeule gekommen.

Nun gibt es aber ein Problem. Wenn da statt uns Nazis gestanden hätten, dann hätte er auch denen sein Leid geklagt und sie hätten versucht ihn aufzustacheln statt mit ihm über vernünftige Lösungen nachzudenken. Dann wäre er nicht nur verloren gewesen sondern im feindlichen Lager gelandet.

Es ist wesentlich einfacher, jemanden der gefährdet ist rechtsaußen zu landen davor zu bewahren als jemanden, der schon rechtsaußen ist, dort zurückzuholen. Aber die realexistierenden Linken stoßen die gefährdeten Leute eher noch zu den Nazis hin.

Deshalb war es gut, dass dort heute kein Infostand der Nazis war, keiner der Linkspartei sondern unserer.

 

Aktion am 08.12.2016

Ähnliche Erfahrungen machten die Helfer des Leipziger Stachels auch schon zwei Tage zuvor. Zum einen gibt es da Menschen, welche sichtbar froh sind über ihr Arbeitsleben zu sprechen und sich freuen, dass da plötzlich andere Menschen stehen, welche sich für ihre Geschichte interessieren und zum anderen gibt es auch Menschen, welche gar das Auftreten des Stachel-Teams als vorbildlich ansehen.

Ein Beispiel: Eine Mutter Mitte der 40er und ihr Sohn Anfang der 20er wunderten sich über diese Aktion. Die Mutter wollte wissen, ob wir denn etwas bekommen für unsere Verteilaktion und von wen. Als ihr dann mitgeteilt wurde, dass dies eine ehrenamtliche Aktion ist, wollte sie wissen was die Eigenmotivation sei. Als ihr dann erklärt wurde, dass wir ebenfalls die "Schnauze" voll haben von der Ignoranz der herrschenden Schichten gegenüber der unteren Schichten und dass wir uns wünschen, dass die Unterdrückten verstehen, dass ihre schiere Masse auch ihre größte Kraft ist, dass man zusammenhalten muss, wir uns alle um uns alle kümmern müssen und es letztlich nur die da oben und wir hier unten gibt, zeigte sich die Mutter sichtlich beeindruckt und meinte: "Das verstehe sogar ich".

Weiter zu ihrem Sohn (O-Ton): "Siehst du, das geht auch ganz ohne Gewalt und trotzdem würde die da oben solche Leute wohl als Radikale bezeichnen." Der Sohn wollte noch wissen, ober man denn Deutscher sei, was ihm bejaht wurde und dass man in Leipzig geboren sei und welche Rolle das spiele? Dieser dann weiter, ob man denn einen gelben Schein hätte... alles klar, es ging in Richtung "Reichsdeutsche". Da wurde ihm zu verstehen gegeben, dass wir mit diesem Reichsdeutschen-Theater nichts am Hut haben und dass es letztlich egal sei, wie die reichen Herrschenden den Staat nennen, den sie benötigen, um die Bevölkerungsmassen auszunehmen. Die Mutter gleich zum Sohn (O-Ton): "Siehst du, alles Quatsch". Der Sohn war nun auch nicht mehr sonderlich interessiert daran Reichsdeutscher sein zu müssen, sondern erklärte, dass es doch eine Chance gegen Merkel sei. Darauf hin wurde ihm noch geantwortet, dass die einzig wahre Chance unsere vereinte Masse ist mit den Worten: "Wir sind die Meisten!"

Der Sohn zum Abschluss: "Wir sind die Meisten, gefällt mir gut"